Mother Hood/Canva

Warum Deutschland ein Nationales Geburtenregister braucht

Was fehlt uns gerade?

Wer in Deutschland ein Kind bekommt, geht davon aus, dass die Versorgung gut dokumentiert und ausgewertet wird. Doch die Realität sieht anders aus: Es gibt keine vollständige, einheitliche Datenbasis darüber, wie es Müttern und Neugeborenen in Deutschland wirklich geht – von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins erste Lebensjahr.

Stattdessen existieren viele “Einzeldatentöpfe”, die nicht miteinander verknüpft sind: Krankenhausstatistiken, Abrechnungsdaten der Krankenkassen, freiwillige Erhebungen in der außerklinischen Geburtshilfe. Keiner davon ist vollständig. Keiner erfasst das gesamte Bild und schon gar nicht lassen sich die mütterlichen und kindlichen Daten miteinander verbinden.

Was das konkret bedeutet

Diese Datenlücken haben reale Folgen:

Müttersterblichkeit wird unterschätzt. Todesfälle nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, also im Wochenbett oder während der Schwangerschaft, werden nicht systematisch erfasst. Erste Hinweise aus Berlin und aus Krankenkassendaten deuten darauf hin, dass die tatsächliche Müttersterblichkeit deutlich höher ist als offiziell ausgewiesen.

Totgeburten bleiben ungeklärt. Deutschland hat seit Jahren erhöhte Totgeburtenraten. Die Ursachen lassen sich mangels ausreichender Daten kaum analysieren – und damit auch kaum bekämpfen.

Hebammenbetreuung und Nachsorge sind ein blinder Fleck. Wie gut Frauen im Wochenbett betreut werden, ob die Schwangerenvorsorge flächendeckend funktioniert, wie es Müttern nach der Geburt psychisch geht, dazu gibt es so gut wie keine systematischen Daten.

Das Wohlbefinden der Frauen wird nicht gemessen. Ob Frauen ihre Geburt als respektvoll und selbstbestimmt erlebt haben, spielt in der offiziellen Qualitätssicherung bisher keine Rolle, obwohl dafür längst erprobte Fragebögen existieren.

Was andere Länder besser machen

Skandinavische Länder führen seit Jahrzehnten nationale Geburtenregister. Diese ermöglichen nicht nur präzise Auswertungen innerhalb des Landes, sondern auch internationale Vergleiche und langfristige Verlaufsanalysen. Das Ergebnis ist messbar: Perinatale Todesfälle konnten dort durch systematisches Monitoring langfristig gesenkt werden.

In Deutschland ist das Gegenteil der Fall. Ohne verlässliche Datengrundlage fehlt die Basis für gezielte Verbesserungen.

Was Mother Hood fordert

Wir fordern gemeinsam mit anderen Organisationen die Einrichtung eines Nationalen Geburtenregisters, das:

  • alle Geburten in Deutschland erfasst, unabhängig davon, ob zuhause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus,
  • ambulante und stationäre Versorgung gleichermaßen einbezieht,
  • das Wohlbefinden der Mütter als Teil der Qualitätssicherung erhebt,
  • auf bereits vorhandenen Daten aufbaut und diese sinnvoll verknüpft – keine neue Bürokratie, sondern bessere Nutzung dessen, was schon existiert,
  • datenschutzkonform (pseudonymisiert) und transparent gestaltet ist.

Was jetzt gebraucht wird

Die Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind muss als nationale Aufgabe verstanden werden. Der nächste Schritt ist daher ein Gesetz zur Einrichtung eines Nationalen Geburtenregisters. Solche gesetzlich verankerten Register gibt es bereits, wie das Transplantationsregister, das Krebsregister oder das Endoprothesenregister. 

Die Datengrundlagen für ein Nationales Geburtenregister sind vorhanden. Was fehlt, ist der politische Wille.

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