
Bonn, 02. Juli 2026. Schwangere werden in der aktuellen Hitzeschutz-Debatte regelmäßig übersehen. Während alte Menschen und Kinder zu Recht im Fokus stehen und Forderungen nach besserem Schutz laut werden, fehlt eine ebenso gefährdete Gruppe: Schwangere.
Dabei kann Hitze in der Schwangerschaft erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen – für die schwangere Person ebenso wie für das ungeborene Kind. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass Temperaturen über 35 Grad das Risiko einer Frühgeburt um bis zu 45 Prozent erhöhen können.* Hitzeschutz ist deshalb auch Schwangerschaftsschutz.
„Schwangere dürfen in Hitzeaktionsplänen nicht nur mitgemeint sein. Sie müssen ausdrücklich benannt und geschützt werden“, erklärt Katharina Desery von Mother Hood e. V. „Wer über vulnerable Gruppen spricht, muss Schwangere, Neugeborene und Familien konsequent mitdenken – in Kommunen, im Gesundheitssystem und am Arbeitsplatz.“
Bisher hängt Hitzeschutz für Schwangere häufig vom individuellen Verhalten ab: ausreichend trinken, körperliche Belastung vermeiden, kühle Orte aufsuchen. Diese Empfehlungen sind richtig, reichen aber nicht aus. Denn nicht alle Schwangeren haben Zugang zu kühlen Räumen, flexiblen Arbeitsbedingungen, verständlichen Gesundheitsinformationen oder einer wohnortnahen Versorgung durch Hebammen und medizinisches Fachpersonal.
Mother Hood fordert deshalb strukturelle Maßnahmen, die Schwangere und Familien wirksam schützen:
- Schwangere und Familien mit Neugeborenen müssen in kommunalen Hitzeaktionsplänen als besonders vulnerable Gruppen systematisch einbezogen und durch konkrete Schutzmaßnahmen adressiert werden.
- Hebammen, gynäkologische Praxen, Geburtskliniken, Beratungsstellen und der öffentliche Gesundheitsdienst brauchen klare Informations- und Notfallstrukturen für Hitzeperioden.
- Schwangere müssen niedrigschwellig, mehrsprachig und verständlich über Risiken und Schutzmöglichkeiten informiert werden.
- Geburtsstationen, Wochenbettstationen und insbesondere Kreißsäle müssen in Hitzeschutzplänen von Krankenhäusern ausdrücklich berücksichtigt werden. Räume, in denen Schwangere gebären, Neugeborene versorgt werden und Hebammen sowie medizinisches Personal über viele Stunden körperlich arbeiten, brauchen wirksame Kühlung, Verschattung, gute Lüftung und baulichen Hitzeschutz. Wo dies nicht zuverlässig gewährleistet werden kann, müssen auch Klimaanlagen oder vergleichbare Kühlsysteme finanziert und eingebaut werden.
- Arbeitgeber:innen müssen konsequent über Hitzeschutz in Schwangerschaft und Stillzeit informiert werden und bestehende Schutzpflichten umsetzen.
- Forschung und Monitoring zu den Auswirkungen von Hitze und Klimakrise auf Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kindergesundheit müssen ausgebaut werden.
Die Klimakrise ist längst eine Gesundheitskrise. Hitzewellen werden häufiger, länger und intensiver. Damit wächst auch der Handlungsdruck für Politik, Kommunen und Gesundheitswesen. Schwangere brauchen nicht nur Verhaltenstipps, sondern verlässliche Strukturen, die ihre Gesundheit und die ihrer Kinder schützen.
„Hitzeschutz darf nicht davon abhängen, ob eine schwangere Person gut informiert ist, eine kühle Wohnung hat oder sich Auszeiten leisten kann“, so Katharina Desery. „Wir brauchen verbindliche Schutzkonzepte, denn die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.“
*) Quelle: Dennis Yüzen et. al., Increased late preterm birth risk and altered uterine blood flow upon exposure to heat stress, EBIOMedicine, 2023. DOI: https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2023.104651. (Pressemitteilung zur Studie: https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_137472.html)